Latein am Ludwigsgymnasium

Auch wenn es manche nicht mehr wahrhaben wollten: Totgesagte leben länger! Latein boomt wieder an den Schulen, auch bei uns am Ludwigsgymnasium ist es ein gefragtes Fach von der Klasse 5 bis zum Abitur.

Für den einen bietet es den idealen, klarsten und strukturiertesten Einstieg in fremde Sprachen, aber auch einen Weg, die manchmal ungeliebte, weil komplexe eigene Muttersprache besser zu handhaben. Für andere liegt der Reiz vor allem in den behandelten Stoffen: Von spannenden Mythen über tapfere, tragische und manchmal auch komische Helden und die nur allzu menschlichen Götter bis zu philosophischen Klassikern und ihren verblüffend aktuellen Ideen gibt es Material in Hülle und Fülle zu entdecken, das zum Mitfiebern und Mitgrübeln anregt.

Keine Frage: Latein hat viele Kinder und Enkelkinder, bis heute: die neuen, v. a. “romanischen” Sprachen, aber auch die Geistes- und Sozialwissenschaften. Überall in Europa begegnet uns auch in Kunst und Literatur die antike Welt auf Schritt und Tritt. Damit ist Latein die perfekte Basis für alle, die es ernst meinen mit dem europäischen Denken. Das wird spätestens dann auch dem letzten Schüler klar, wenn er bei unserer traditionellen Fahrt nach Rom tatsächlich auf den Spuren der alten (und auch der neueren) Römer wandelt.

Deshalb bieten wir am Ludwigsgymnasium Latein gleich von der Klassenstufe 5 an und für die Interessierten später auch Altgriechisch, die Sprache der großen Philosophen und Geschichtsschreiber der Antike.

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Warum heute Latein? – Sprache und kulturelle Identität in Deutschland 2019

Die Welt ist kleiner und schneller geworden im 21. Jahrhundert. Rasante demographische Entwicklungen, vielfältige kulturelle Einflüsse, neue Medien mit ihren Chancen und Risiken prägen unseren Alltag. Der Umgang mit den Konsequenzen beschäftigt Politik und Gesellschaft auch in Deutschland. „Was ist Europa?“ ist dabei eine der drängendsten Fragen. „Wie gehen wir mit sprachlichen Herausforderungen um?“ Auch und gerade das Bildungssystem ist hier gefordert; schließlich soll es junge Menschen für ein erfolgreiches Leben vorbereiten und unser Land und Europa zukunftsfähig machen in einer veränderten Welt. Und dazu soll Latein in der Schule einen Beitrag leisten können? – Ja! Und sogar einen besonders wertvollen.

Latein – Direktverbindung zu den Wurzeln Europas

Die europäische Wertegemeinschaft hat ihre Wurzeln in der Antike. Keine Demokratie ohne das antike Athen, kein „Audiatur et altera pars“ ohne römisches Rechtsbewusstsein. Die vielbeschworene Einheit der europäischen Kultur, die aus antiken Quellen schöpft, ist heute in den Sprachen, in der Literatur, in der Wissenschaft, Kunst und Architektur Europas greifbar – für den, der diese Quellen kennt. Wer will Goethes „Iphigenie“, James Joyces „Ulysses“, Monteverdis „Orfeo“ oder Botticellis „Geburt der Venus“ verstehen ohne Kenntnis der antiken Mythologie? Aber man muss nicht die kulturellen Größen Europas bemühen, um zu zeigen, dass die Antike in unserer Zeit lebendig ist. Zeitungen und Fußballreportagen sind voll von griechisch-römischen Sprachbildern, ganz gleich ob es gerade um eine Herkulestat oder einen Pyrrhussieg geht, das Damoklesschwert, die Achillesferse oder den gordischen Knoten. Wer zweifelt, dass all das heute noch von Bedeutung ist, wird spätestens bei Günther Jauch eines Besseren belehrt. Hier wurde noch keiner Millionär, der sich in der Antike nicht auskannte. Der Lateinunterricht führt ganz selbstverständlich an diese Grundlagen Europas heran und punktet bei Schülerinnen und Schülern nebenbei mit Geschichten, in denen sie Spannung, Abenteuer und eine neue, faszinierende Welt erleben. Kurzum: Wer Europa sucht, wird in Latein fündig.

Latein – Brücke zu modernen Fremdsprachen und der Sprache der Wissenschaft

Moderne Fremdsprachen und Latein sind keine Gegensätze. Wer sich für Latein entscheidet, vergibt keine Chance auf gesprochene Sprachen; er vergrößert sie sogar. Lateinunterricht vermittelt auch die Vernetzung der europäischen Tochtersprachen über ihre Mutter Latein. Er legt damit die Basis, das Erlernen moderner Fremdsprachen wie Französisch, Englisch, Spanisch oder Italienisch zu erleichtern und zu beschleunigen. Das leuchtet jedem ein, der sieht, wie sich ein lateinisches „Urwort“ wie „vinum“, nur eins von unzähligen Beispielen, in den modernen Sprachen festgesetzt hat: franz. „vin“, engl. „wine“, ital./span. „vino“ und nicht zu vergessen dt. „Wein“. Außerdem entschlüsseln Lateinschülerinnen und -schüler mühelos Fremdwörter, die ihnen in den Medien („CO2-Emissionen“), beim Hausarzt („Angina pectoris“) und im Studium („Soziolinguistik“) begegnen. Dass Lateinkenntnisse an den Universitäten nach wie vor als Studienvoraussetzung nicht weniger Fächer gefordert sind, ist kein Zufall.

Latein – Weg zu sprachlicher Sicherheit im Deutschen

Lateinunterricht ist immer auch Deutschunterricht. Er vermittelt nicht nur Kenntnisse in der lateinischen Sprache, sondern will auch die sprachlichen Fähigkeiten der Lernenden im Deutschen schulen und weiterentwickeln. Als einziges Schulfach, in dem regelmäßig übersetzt wird, legt Latein einen besonderen Schwerpunkt auf Genauigkeit im Ausdruck, sowohl in der Wortbedeutung als auch im Satzbau. Während es im Fremdsprachenunterricht der gesprochenen Sprachen vor allem auf die angewandte Kommunikation ankommt und Fehlertoleranz als Unterrichtsprinzip gilt, geht es im Lateinunterricht gerade um besondere Präzision. Wenn Schüler bei der Übersetzung eines lateinischen Satzes geeignete deutsche Wörter, Ausdrücke und Satzbaustrukturen suchen, kritisch prüfen, auswählen und anwenden, dann lernen sie dabei immer auch, reflektiert und korrekt deutsche Texte zu produzieren. Durch die Beachtung sprachlicher Gemeinsamkeiten und Unterschiede wird dabei auch gezielt an sprachlichen Stolpersteinen im Deutschen gearbeitet. Das alles geschieht mit Ruhe und Bedacht. Lateinunterricht nimmt sich Zeit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Auch darin setzt das Fach einen positiven Akzent in der Hektik und Schnelllebigkeit unserer Zeit. Dass im Lateinunterricht grammatische Regeln und Begriffe konsequent miteinbezogen werden, ist für das Verständnis von Sprache als System im Allgemeinen und die Sprachkompetenz im Deutschen eine wertvolle Hilfe. Die vertiefte sprachliche Analyse, die auch die spätere Lektüre von Originaltexten prägt, vermittelt zudem die Fähigkeit, rhetorische Winkelzüge zu durchschauen; sie schützt dadurch vor möglichen Manipulationsversuchen durch Wort und Text, denen wir heute z.B. in Werbung und Medien so vielfältig ausgesetzt sind.

Warum also heute Latein? Latein gibt denen, die sich dafür entscheiden, den Schlüssel zu vielen Türen in die Hand, die aufzuschließen sich besonders lohnt. Kulturelle Identität und ein vertieftes Sprachverständnis, auch in der deutschen (Mutter-) Sprache, sind dabei längst nicht alle Schätze, die es kommenden Generationen zu bieten hat.

Sarah Catrein-Träm

 

Fotos der letzten Romreise

   

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